Schmetterling kontra Fliege

Ich habe noch nie einen Schmetterling kämpfen sehen.

An einem schönen frühherbstlichen Tag landete ein wunderhübscher Admiral auf der schon verholzten Schnittfläche eines Kornapfelbaumes im Garten. Ich beobachtete ihn, wie er dort saß, sich von der Sonne wärmen ließ und nur gelegentlich immer wieder mal seine Flügel öffnete.

Plötzlich kam Leben in diesen bis dahin ruhenden Schönling. Hastig öffnete und schloss er seine Flügel, wendete sich mal hierhin, mal dahin. Im Sucher meiner Kamera und Teleobjektives erkannte ich, dass eine dicke, fette Fliege ihm den Platz streitig machte. Vielleicht fühlte sich der Admiral auch nur durch sie gestört, zumindest jagte er den ungebetenen Gast mit Flügelschlägen davon.

Doch die Fliege dachte nicht daran, sofort aufzugeben. Sie brummte um den Schmetterling herum, nahm vor ihm Platz, wurde aufgescheucht, kam zurück... und so ging es eine ganze Weile. Manchmal schien es, als hätten sie sich arrangiert und hockten beide auf dem Holz voreinander. Doch dann schob sich der Schönling ein kleines Stück nach vorne auf die Fliege zu und begann erneut, heftig zu wedeln.

Ein faszinierendes Bild, dem ich mich nicht entziehen konnte. Was war so hervorragend an diesem Platz, dass beide darum kämpften? Ich habe sicher zehn Minuten dort gestanden. So lange, bis klar war, wer der Gewinner dieser keinen Auseinandersetzung gewesen ist. Es war mein bunter Admiral. Die Fliege gab auf oder nach und brummte davon. Und was, so dachte ich noch, hatte dieses "Gefecht" nun entschieden? Und warum konnten beide nicht miteinander?