Ich, der Lückenbüßer

Ein modernes Berufsbild

 

Ich bin ein Lückenbüßer. Man weiß, wie ich heiße und wo ich wohne, wenn man mich braucht. Das können kleinere oder größere Dienstleistungen sein. Natürlich werde ich dafür nicht bezahlt, sonst wäre ich ja tatsächlich ein Dienstmädchen und das geht gar nicht.

Man kommt zu mir, wenn man einen Wunsch hat oder sich ausheulen will, weil der, der kein Lückenbüßer ist wie ich, sondern „wichtig“, dafür kein Ohr hat, keine Zeit oder kein Verständnis. Ich habe das immer.

Die Bedingung, um ein Lückenbüßer sein zu können, ist außer, dass der dafür auf keinen Fall von allein entlohnt werden darf, dass er dafür auch nichts verlangt. Immer hübsch im Hintergrund ist die Voraussetzung, um einer vollwertiger Lückenbüßer sein zu können.

Lückenbüßer sind in Mode gekommen und stark gefragt, Probleme, mal „arbeitslos“ zu werden, gibt es somit nicht. Ein todsicherer Job.

Job? Hmmm...

Von was ich lebe? Na, von Nichts. Kennen Sie Nichts? Nein? Nichts, das ist... na eben nichts. Und mit der Zeit gewöhnt man sich sogar an Nichts, als Trost, falls das jemandem zu wenig sein sollte.

Noch mal zur Lücke ein paar Worte. Es ist toll, welche zu füllen. So ist die Welt wenigstens ohne Löcher, äh, Lücken, und man kann dazu beitragen, dass sie besser wird. Zum anderen wird man gebraucht. Mal... ab und zu... also wenigstens zeitweise. Und wie viel Freizeit man dadurch hat!

Allerdings ist nicht jeder zum Lückenbüßer geeignet und so... wenn ich mal jemanden brauche... hab noch keinen gefunden.

Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, ich brauche ja gar keinen Lückenbüßer. Ich habe keine Lücken, denn wenn ich mal was mache oder mich entscheide, dann ist das, was ich tue ganz. Oder ich lasse es – auch voll oder völlig. Geht, funktioniert sogar.

Also, irgendwie verstehe ich nicht, wieso so viele einen oder gar mehrere Lückenbüßer brauchen. Hätten sie gar nicht nötig, wenn sie nicht an allem schon von vornherein etwas auszusetzen hätten. Nicht ist ihnen gut genug. Oder sind sie am Ende gar auch nur verkappte Lückenbüßer? Konkurrenz? Das geht schon mal gar nicht, was mache ich denn dann? Nichts?

Ich schau mich wohl doch lieber mal nach etwas anderem um. Nichts mit Nichts als Aussicht – keine so angenehme Sache.